Kirschblütentraum

KIRSCHBLÜTENTRAUM

Still steht er in jenem Garten,
verharrend in Erinnerung.
Auf dem Tisch die Teekanne
erzählt von alten Zeiten stumm,
von seiner Liebsten, die vor Jahren
sein Herz eroberte im Sturm.

Leise fällt der zarte Schnee,
so wie's einst die Blüten taten;
viel zarten, schöner noch war SIE,
alle Männer um SIE warben,
ein Augenaufschlag reichte schon,
brachte jedem zum Verzagen.

Voller Anmut war ihr Tanz,
bezaubernd, beinah feengleich,
kostbar war ihr Festgewand,
das Haar geschmückt mit Spangen reich.
Wenn SIE das Shamisen spielte,
lauschten Erd- und Himmelreich.

Er erinnert sich sehr gut,
wie sie hier zur Teezeit scherzten,
SIE schenkte ein so elegant,
oft wünschte er aus tiefstem Herzen,
SIE wäre nur für ihn bestimmt...
Noch heut bereitet es ihm Schmerzen.

Das Schicksal hat es so gewollt,
dass ein andrer SIE bekam.
Was immer SIE für ihn empfunden,
auf Liebe kam es hier nicht an.
SIE hatte nicht das Recht zu wählen,
wen SIE sich gewünscht zum Mann.

Viele Jahre sind vergangen,
nie wieder hat er SIE gesehn.
Er ist an diesen Ort gekommen,
um im Geist zurückzugehn,
die Teekanne hat ihm geholfen -
Wer ließ sie nur allein dort stehn?

Immer noch fallen leise Flocken,
auf dem Tisch ein Hauch von Weiß,
auch der Deckel ist bedeckt,
nur um den Bauch zieht sich ein Kreis,
als wäre SIE noch immer da,
als wär der Tee darin noch heiß.




© Michelle Klemm






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