Weggefährte

WEGGEFÄHRTE

Im Vorbeirauschen nimmt der Zug
die schweren Gedanken mit sich,
bei voller Fahrt steigen sie zu,
schaffen Platz für Schönere.

Noch bevor ich über die Schwelle trete,
empfängt mich der Schatten des Blätterdachs.
Der Wind, die Bäume, die Vögel,
alle heißen sie mich willkommen.

Mein Begleiter tritt an meine Seite,
freut sich mich wiederzusehen,
lang ist es her, viel zu lang.
Zwei Falter begleiten uns ein Stück.

Um die Ruhe nicht zu stören,
schweigen wir eine Weile.
Wir gehen langsam, doch verweilen nicht;
gemeinsam suchen wir die Einsamkeit.

Hier sind wir beide zu Haus,
unsere Seelen sind miteinander verwandt,
der Wind trägt die Botschaften weiter,
ins Herz des anderen hinein.

Im Gespräch fällt aller Druck von uns ab,
wir beginnen uns leicht und frei zu fühlen,
einen Wimpernschlag lang,
der nur uns beiden gehört.

Mein vertrauter Freund bleibt bei mir,
bis ich den Wald verlasse,
und ich weiß, er wird warten,
bis ich zu ihm zurückkehre,

um zusammen mit mir
dem Stress des Alltags,
den Erwartungen der Menschen
zu entfliehen – für einen Augenblick.



© Michelle Klemm





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