Refa
Refa

Refa, in anderen Bundesländern auch ReNo, ist hier nicht etwa die Abkürzung für Restaurantfachfrau, sondern für Rechtsanwaltsfachangestellte. In dieser Geschichte erzähle ich euch von meiner Ausbildung und meinen ersten Jahren im Beruf.
Ich möchte vorab betonen, dass dies keine Abrechnung mit irgendjemanden sein soll, weshalb ich ausdrücklich auf die Nennung von Namen verzichtet habe. Es ist lediglich ein Erfahrungsbericht, der anderen dabei helfen soll, die nicht wissen, ob sie für diesen Beruf geeignet sind bzw. ihn erlernen wollen. Diese Geschichte richtet sich aber nicht ausschließlich an Refa's und/oder Azubis, sondern an alle, die vielleicht gerade eine schwere Zeit (auf Arbeit) durchmachen.

 
Lehrjahre sind keine Herrenjahre“
 

Oh wie ich diesen Satz gehasst habe und noch bis heute hasse. Ich stimme zwar zu, dass man diszipliniert, sorgfältig und zuverlässig sein und manchmal auch undankbare Aufgaben übernehmen muss. Aber wenn es einem wirklich schlecht geht, weil es Spannungen innerhalb des Teams gibt, man sich fragt, ob man sich denn wirklich alles gefallen lassen muss, und weil man nicht weiß, wie man die drei Jahre überstehen soll, möchte man diesen Satz nicht von denen, die einem nahe stehen, an den Kopf geknallt bekommen, nach dem Motto „ist doch alles nicht so schlimm“.
Doch erst einmal von Anfang an: Meine Suche nach einem Ausbildungsplatz währte sehr lange. Trotz guter Noten im Abitur wollte mich keiner haben. Bei drei Vorstellungsgesprächen habe ich es jedoch selbst verbockt, an diese kann ich mich auch noch besonders gut erinnern. Bei dem einen wäre ich beinahe zu spät gekommen, völlig abhetzt habe ich es auf den aller letzten Drücker doch noch geschafft. Ich hatte mich total verschätzt, was die Entfernung der Kanzlei zum Bahnhof betraf, und es dann zusätzlich dazu nicht gleich gefunden. Bei einer anderer Kanzlei musste ich vor dem eigentlichen Vorstellungsgespräch einen kleinen Test ausfüllen. Ich war sowieso schon aufgeregt und ziemlich von der Rolle. Die Zeit reichte nicht, ich bin nicht fertig geworden. Die Fragen, die man mir im Gespräch gestellt hat, haben mich verwirrt. Ich war eigentlich erleichtert, als die Absage kam, denn ich muss gestehen, dass ich mich vom ersten Augenblick an in diesen Räumen und bei diesen Menschen unwohl gefühlt habe. Ich wollte da gar nicht arbeiten. Das dritte Vorstellungsgespräch war für einen Ausbildungsplatz zur Steuerfachangestellten. An diesem Tag hatte ich schlicht und ergreifend keine Lust, denn es war unser letzter Schultag. Ich war gedanklich bei meinen Freunden, die gerade im Park oder sonst wo waren und feierten, während ich bei der Hitze in schicken Sachen zum Vorstellungsgespräch antreten musste. Noch dazu waren mir die Damen und Herren ziemlich unsympathisch. Ich war gar nicht bei der Sache und habe denen erklärt, warum ich Rechtsanwaltsfachangestellte werden will. Damit war das Ganze schon gelaufen und ich hätte eigentlich gleich nach Hause fahren können. Echt frustrierend war eine Absage aus Mittweida, denn dort hatten sie mir mündlich nach dem Vorstellungsgespräch gesagt, dass sie mich zu 99,9 % nehmen würden. Tja, da war wohl die Kandidaten nach mir noch 0,1 % besser. Entsprechend groß war meine Freude, als ich kurz darauf eine Zusage aus Dresden erhielt.

Ich habe meine Ausbildung also in einer Anwaltskanzlei in Dresden gemacht. Zu Beginn gab es dort vier Anwälte, zwei bzw. drei Refas (das ist etwas kompliziert, mal war eine krank, mal die andere in Elternzeit), eine Schreibkraft und pro Lehrjahr einen Azubi. Mit der Steuerabteilung hatten wir kaum Kontakt, obwohl im gleichen Haus gab es doch eine strikte Trennung. Es gab Partnerkanzleien in Senftenberg und eine große in Berlin, wobei ich aber die Berliner Chefs und Kollegen nie persönlich kennen gelernt habe.
Unsere Kanzlei deckte eigentlich alle Rechtsgebiete ab, was für mich von Vorteil war. So konnte ich später (hauptsächlich im 3. Lehrjahr) viel in Richtung Mahnverfahren und Zwangsvollstreckung lernen und noch dazu von einer, die richtig viel Ahnung davon hatte. Andere Schüler/innen in meiner Berufsschulklasse kannten das gar nicht und mussten sich mit der Theorie begnügen. Es war gut, von allem etwas mitzubekommen.
Zwei unserer Anwälte waren die Chefs bzw. Partner der Kanzlei. Ich hatte nur einen zum Vorstellungsgespräch kennen gelernt. Es war ein sehr angenehmes Gespräch gewesen und er war mir gleich sympathisch. Ich habe ihn während meiner gesamten Ausbildung sehr geschätzt. Zwar war er durchaus ein Choleriker, doch wenn er sich mal im Tonfall vergriffen hatte, entschuldigte er sich am nächsten Tag dafür. Mit der Zeit lernte man abzuschätzen, wann man ihm noch ein Telefonat durchstellen konnte und ab wann man es besser bleiben ließ.
Mit meinem zweiten Chef gab es gleich zu Anfang ein kurioses Erlebnis: Es war an meinem ersten Arbeitstag. Ich wollte selbstverständlich ganz pünktlich sein und, da ich mich mit den Straßenbahnen noch nicht so gut auskannte, fuhr viel zu zeitig los, sodass ich mindestens eine halbe Stunde zu früh ankam. Von den Angestellten, die ich zum Probearbeiten bereits kennen gelernt hatte, war noch niemand im Büro. Lediglich mein zweiter Chef war schon da. Er hatte die Angewohnheit, meistens schon sehr früh morgens anzufangen, blieb dafür in der Regel nicht so lange. Da wir uns aber noch nie gesehen hatten, hatte er keine Ahnung, wer ich war, und fragte, ob ich der neue Azubi der Steuerabteilung sei. Nachdem ich ihm erklärt hatte, dass ich der Azubi für den Anwaltsbereich war, stellte er sich mir dann als mein Chef vor und bat mich herein. Kaum hatte er die Tür hinter mir geschlossen, klingelte auch schon das Telefon und er meinte, ich sollte doch ruhig ran gehen – ohne Einweisung, nichts! Das nenne ich, jemanden ins kalte Wasser schmeißen.
Von dieser kleinen Anfangsepisode abgesehen, verlief das erste Lehrjahr aber im Großen und Ganzen recht gut. Aufgrund des bereits eingangs erwähnten Wechsels der Anwesenheit der anderen Rechtsanwaltsfachangestellten, gab es für mich leider keine feste Bezugsperson, es war eben immer eine andere zuständig. Meine Arbeitszeiten lagen von 8 bis 16:30 Uhr bzw. einmal die Woche von 9:30 Uhr bis 18 Uhr. Mittwochs und donnerstags hatte ich Berufsschule. Meine Tätigkeit bestand im 1. Jahr hauptsächlich im Aktensuchen, Wiedervorlagen eintragen, Akten wegräumen, Gerichtsakten kopieren, Fertigen kleinerer Schreiben und Schriftsätze sowie Postein- und -ausgang, wobei hierunter noch nicht das Notieren von Fristen fiel, das durfte ich erst ab dem 2. Lehrjahr. Ab und an mussten Botengänge erledigt werden. Die Woche über wohnte ich Dresden in meiner kleinen Einraumwohnung in Gorbitz, an den Wochenenden fuhr ich meistens Heim zu meinen Eltern bzw. meinem Freund. Ich gewöhnte mich sowohl auf Arbeit als auch in der Berufsschule schnell ein. Da ich meine Aufgaben ordentlich erledigte, war ich mit den Kollegen schnell per du.
Ich kann mich jedoch an ein Ereignis erinnern, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es im ersten oder zweiten Lehrjahr geschah. Es handelte sich dabei vielmehr um ein Missverständnis, doch es hat mich sehr verletzt. Wir bekamen einmal eine sehr umfangreiche Gerichtsakte, es waren mindestens drei dicke Ordner. Wer freut sich schon über die Aussicht, das alles kopieren zu müssen? Im Spaß sagte ich daher so etwas wie „zum Glück habe ich die nächsten zwei Tage Schule“. Leider haben meine Kolleginnen diesen als Scherz dahin gesagten Satz ganz anders aufgefasst. Plötzlich redeten sie hinter meinem Rücken über mich, ich wäre angeblich faul und unmotiviert. Dabei war mir doch ganz klar, dass ich sowieso nicht darum herum kommen würde, zumindest Teile dieser Akte kopieren zu müssen. Vielleicht sollte man es als Azubi unterlassen, über so etwas Witze zu machen. Vielleicht dachte ich aber auch, da wir ja alle per du waren, dass sie mich mittlerweile besser können müssten, um so von mir zu denken. Dass sich manche Kolleginnen mir gegenüber anders verhielten, entging mir natürlich nicht, ich konnte mir nur keinen Reim darauf machen. Irgendwann sprach mich endlich eine der Refas, als wir abends alleine waren, darauf an und erzählte mir, was hinter meinem Rücken über mich gesagt wurde. Ich war schockiert, enttäuscht, verletzt und traurig, brach vor ihren Augen in Tränen aus und versuchte, mich zu erklären und zu rechtfertigen. Das war eine der schmerzlichsten Erfahrungen, die ich während meiner Ausbildung gemacht habe.
Gegen Ende des 1. Lehrjahres begann ich auch Diktate zu schreiben, zunächst nur kurze und wenn Not am Mann war. Es gibt in diesem Zusammenhang ein weiteres unangenehmes Ereignis, welches mir besonders in Erinnerung geblieben ist. Mir fehlte damals noch die Erfahrung, wie lange man für das Schreiben braucht, dass ein 30-Einheiten-Band nicht bedeutet, dass man nur 30 Minuten daran schreibt. Ich hatte einmal ein längeres Band angefangen. Da sich mein Fach jedoch wieder mit Akten füllte, legte ich es zur Seite, um erst einmal diese Sachen zu bearbeiten. Nur kam ich am selben Tag nicht mehr dazu, das Band zu Ende zu schreiben. Das war an und für sich nicht so schlimm, da die Akte nicht im Fristenfach gelegen hatte. Jedoch ich fand auch nächsten Tag nicht die Zeit, es zu beenden. Dann hatte ich meine beiden Berufsschultage und war erst am Freitag wieder im Büro. Ich wollte das Diktat an diesem Tag zu Ende schreiben. Doch wieder wurde die Zeit knapp, wahrscheinlich hätte ich es an diesem Tag nicht geschafft. Inzwischen war das Schreiben durchaus wichtig geworden. Natürlich gab das Ärger und letztendlich schrieb meine Kollegin das Band und musste darum sogar Überstunden machen. Sie hat mir danach gründlich die Leviten gelesen und ich war ziemlich geknickt. Zumindest habe ich aber etwas daraus gelernt.

Mit Beginn des 2. Lehrjahrs veränderte sich vieles. Ein Azubi ging, ein neuer rückte nach. Die Arbeit wurde mehr und wir bekamen eine offizielle Bürovorsteherin hinzu. Die neue Azubine war eine Katastrophe, zumindest ihr Benehmen uns, manchmal auch den Chefs und Mandanten gegenüber. Unter den Kolleginnen, inklusive den anderen beiden Azubis, brach allmählich ein Wettstreit aus, jede wollte die Schönste und Beste sein. Ich bekam zwar zu Anfang davon nicht allzu viel mit, trotzdem spürte ich die Veränderung des Arbeitsklimas. Die neue Bürovorsteherin war keine große Hilfe. Statt zu schlichten und Frieden zu bringen, war sie selbst eine Art Störfaktor. Oft fiel sie aus, weil ihr Kind krank war. Nicht lange nach ihrer Einstellung wurde sie ein zweites Mal schwanger. Das war definitiv nicht das, was sich die Chefs vorgestellt und die anderen Kolleginnen erhofft hatten, denn nicht zuletzt hätte sie durch die Übernahme bestimmter Aufgaben, wie z. B. Fibu und Kontrolle der Azubis, für deren Entlastung sorgen sollen. Sie kehrte schon bald nach der Entbindung zurück, fiel aber häufig aus, weil sie eben nicht immer jemanden hatte, der sich um die Kinder kümmerte.
Ich bekam neue, anspruchsvollere Aufgaben hinzu, z. B. Bearbeitung von Mahnverfahren, Beantragen von Beratungshilfe, das Notieren von Fristen, die Bestellung von Büromaterial und teilweise auch Onlinebanking. Die Ausbildung an sich und die Ansprüche, die an mich gestellt wurden, vor allem in Bezug auf selbstständiges Arbeiten, waren nicht schlecht. Normaler Weise müsste man über einen solchen Ausbildungsplatz froh und dankbar sein. Dennoch blieben so viele Aufgaben aus dem 1. Lehrjahr, insbesondere das zeitraubende, etwas lästige Aktensuchen, bestehen. Manchmal war ich damit überfordert, teilweise war es gar nicht zu schaffen – die Zeiteinteilung stimmte einfach nicht. Immer mehr kleine Fehler schlichen sich ein, was mir natürlich zusätzlichen Stress brachte.
In der Berufsschule hatte ich eigentlich nie große Probleme. Sicher ist es nicht immer leicht, wenn so viele Weiber aufeinander hocken – wir hatten ja nur einen Jungen in der Klasse. Aber wir sahen uns schließlich nur zwei Tage die Woche und wen man nicht mochte, mit dem bzw. der brauchte man nicht unbedingt zu reden. Zu den Projekttagen (zwei in den ersten beiden Jahren und einer im 3. Lehrjahr) unternahmen wir Ausflüge ins Amtsgericht und in die JVA Dresden, einmal fuhren wir nach Riesa in die „Nudelbude“ und wir besichtigten das Hygienemuseum und die ehemalige Festungsanlage Dresdens.
Unsere Klassenlehrerin war gleichzeitig unsere Lehrerin in schriftlicher Kommunikation. Ich fand sie super! Schrecklich waren eigentlich nur die Lehrer/innen, in den Fächern Sozialkunde, Wirtschaft und Deutsch. Ein wirklicher Segen war unser Lehrer in Kosten- und Gebührenrecht. Er hat uns so viel beigebracht, ihm verdanke ich meine spitzen Note in dem Fach.
Sehr leicht fiel mir der Englischunterricht. Daher war ich der Liebling unserer Lehrerin, das hat sie immer wieder vor der ganzen Klasse deutlich gezeigt. Ich habe es gehasst. Einmal hatte ich in einer Arbeit nur eine drei, da nahm sie gleich an, ich hätte irgendwelche Probleme, und bot mir an, ich könne gern mit ihr darüber reden, weil sie die Vertrauenslehrerin der Schule war. Dabei hatte ich schlicht und ergreifend keine Vokabeln gelernt. Eine meiner Mitschülerinnen und ich hatten uns freiwillig für die Englischprüfung gemeldet, eine Zusatzqualifikation. Wir sind beide beinahe untergegangen. Man hat uns, so wörtlich, „bestehen lassen“ - kein Ergebnis mit dem wir uns rühmen könnten. Sie konnte nicht frei drauf los reden, ich kam mit meinem Text nicht klar. Schon etwas deprimierend; Dabei-sein ist alles...
Meine guten Englischkenntnisse haben sich dennoch während der Ausbildung (und noch heute) als äußerst hilfreich in der Praxis erwiesen. Wir hatten damals einen verzwickten Fall einer Spedition in England. Erstaunlich, wie viel Vertrauen man mir als Auszubildender entgegen brachte, denn ich war für die Übersetzung der Korrespondenz von Englisch nach Deutsch und umgekehrt zuständig. Daran änderte zum Glück auch die Tatsache nichts, dass ich bei der Übersetzung eines anwaltlichen Schreibens der Gegenseite einen kleinen, aber feinen Fehler gemacht habe und wir daraufhin eine Zeitlang mehr oder weniger aneinander vorbei geredet haben. Mein Chef meinte hinterher lachend, dass er mir den Sachverhalt vielleicht eher hätte erklären sollen. Denn ich konnte ja nicht ahnen, dass der Fahrer „gased“, also vergast war (nämlich mit Schlafgas). Ich fand die Übersetzung betrunken viel logischer, schließlich handelte es sich bei der Ladung um Alkohol.
Kurz vor Beginn des neuen und letzten Lehrjahres heiratete ich meinen langjährigen Freund. Aufgrund der Arbeit konnten wir jedoch nach wie vor nicht zusammen wohnen.

Das 3. Lehrjahr bescherte uns wiederum eine neue Auszubildende; ein ruhiges, schüchternes und zurückhaltendes Mädchen, also in etwa so wie ich – wir verstanden uns sofort gut. Sie war quasi mein Lichtblick. Aufgrund der schlechten Erfahrungen mit dem „Du“ bei der Azubine, die nun ins 2. Lehrjahr kam, bestanden jetzt im Umgang mit der Neuen alle Refas auf das „Sie“. Während des Jahres bekamen wir noch einen fünften Anwalt hinzu. Am Anfang fand ich ihn sehr nett. Doch nach einer Weile, ging er mir schrecklich auf die Nerven mit seiner Art. Er wünschte immer „einen wunderschönen guten Morgen“ (dazu setzte er sein strahlendstes Lächeln auf) und er hatte einen für meinen Geschmack zu kräftigen Händedruck, so einen, der einem fast die Hand bricht. Die Auszubildende im Lehrjahr über mir, welche so viel Unruhe im Team verursachte, wurde übernommen. Der Zickenkrieg beruhigte sich nach der Übernahme nur kurz und nun bekam ich auch mehr davon mit als zuvor. Sie versuchte weiterhin mit aller Macht, bestimmte Kolleginnen rauszueckeln. Sogar das Verhältnis zu eben jener Auszubildenden vom gleichen Schlag war nun nicht mehr so freundschaftlich wie zu Beginn. Schließlich und endlich musste sie selbst nach nicht einmal einem Jahr kapitulieren. Sie hatte sich eine neue Anstellung in Berlin gesucht. Von den Chefs wurde sie (unter Mithilfe der Bürovorsteherin) mit einem großen Blumenstrauß verabschiedet. Dass sie aufhört, erfuhren wir anderen erst an ihrem letzten Arbeitstag. Ich glaube nicht, dass sie ihr auch nur eine Träne nachweinten.
Die Aktensuche hatte endlich aufgehört, wenn ich nicht gerade den beiden anderen Azubis unter die Arme griff. Berufsschule hatte ich nur noch mittwochs, dabei wäre ich viel lieber zur Schule gegangen als auf Arbeit. Als die Abschlussprüfungen näher rückten, hatte ich an mehreren Samstagen Prüfungsvorbereitung, weshalb ich nicht mehr so oft nach Hause fahren konnte, was mich zusätzlich belastete. Vor den schriftlichen Prüfungen nahm ich mir drei Wochen frei, um intensiv zu lernen. Diese Entscheidung war goldrichtig und es hat sich gelohnt. Ohne diesen Abstand zu allem, was mich fertig machte, wären die Prüfungsergebnisse sicherlich anders ausgefallen. An dieser Stelle möchte ich allen potentiellen (Refa-)Auszubildenden einen guten Rat mit auf den Weg geben: Wenn jemand in der Prüfungsvorbereitung sagt, dieses oder jenes Thema kommt nicht bzw. nur in der mündlichen Prüfung dran, so glaubt ihm/ihr nicht. Dass ich mich trotzdem auf selbstständiges Beweisverfahren und Gegenstandswerte in Familiensachen vorbereitet hatte, hat mich vermutlich gerettet. Als uns die Prüfungskommission nach der mündlichen die Ergebnisse bekannt gab, habe ich tatsächlich ungläubig gefragt, ob das wirklich meine Noten wären. Ich hatte in allen schriftlichen Prüfungen eine eins. In der mündlichen Prüfung hat es nur für eine drei gereicht, was ich meiner Wirtschaftslehrerin mit ihren blöden Fragen zu verdanken habe. Macht nichts, Hauptsache bestanden – ich lege keinen Wert auf die Auszeichnung als eine der Jahrgangsbesten. Ein gut als Gesamtergebnis finde ich völlig in Ordnung.
Mit Bestehen der mündlichen Prüfung war meine Ausbildung offiziell abgeschlossen. Unsere Zeugnisse erhielten wir erst einige Wochen später in einer Feierstunde.
 

 





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