Führerscheinprüfung

FÜHRERSCHEINPRÜFUNG - Drama in vier Akten

I

Die praktische Prüfung war
nach fünf Minuten vorbei,
meine Nerven versagten
und das Gehirn war wie Brei.

Die leichte Einführungsfrage
hat mich komplett überfordert.
Der Wagen wollte nicht fahren -
gern hätt ich nen Schnaps geordert.

Beim dritten Versuch ging die Fahrt
dann las und ich kam in Schwung;
doch Anfahren am Berg
schon an der nächsten Kreuzung.

Im zweiten Anlauf gelang es,
die Straße war wieder mein.
Spät, doch ich stand an der Ampel …
Dennoch sollt es nicht sein.

Die Hände waren feucht,
mein Herz schlug viel zu schnell,
bald nach dem Rechtsabbiegen
erschallte der Piepton gell.

Der Fahrlehrer trat die Bremse
keinen Moment zu spät,
den Spiegel des parkenden Autos
hätt ich glatt abgemäht.

II

Die zweite Prüfung war
nur unwesentlich länger,
trotz fehlerfreiem Start
war ich hier noch bänger.

Der Weg führte uns in eine
entgegengesetzte Richtung,
hinaus aus der Stadt und fort
von jeglicher Ampelkreuzung.

Vielleicht entspannte ich mich
zu sehr beim Radioklang
und übersah so die
Passantin am Bahnübergang.

Niemand kam zu Schaden,
trotzdem hieß es STOP,
die Prüfung war gelaufen,
war ein echter Flop.

III

Beim dritten Mal wird’s besser,
das nahm ich mir vor.
Tatsächlich lief es super,
der Ball war fast im Tor.

Auf so'nem großen Parkplatz
beinah ganz allein,
musste es da wirklich
diese Lücke sein?

Und dann auch noch vorwärts!
In unheimliche Höhen
schnellte mein Puls sofort -
das konnte nicht gut gehen.

Und wieder dieser Piepton,
ich konnte es nicht fassen.
Was war bloß mit mir los?
Begann mich selbst zu hassen.

IV

Die vierte Prüfung sollte
für mich die letzte sein.
Wenn's dieses Mal nicht klappte,
ließ ich's für immer sein.

Es war der gleiche Prüfer
wie beim ersten Mal,
doch ich nahm es gelassen,
es war mir schlicht egal.

Wir fuhren aus der Stadt,
ich nur im vierten Gang;
die Fehler mehrten sich,
das dauerte nicht lang:

Beim Abbiegen die Kurve
viel zu sehr geschnitten,
Umlenken am Bordstein...
ich ließ mich zweimal bitten.

Das einzig Gute war,
ich hab es nicht gemerkt,
total auf Wolke 7,
das Selbstgefühl gestärkt.

Erstmals im Ziel angekommen,
sagte der Prüfer in Ruh:
„Ich will mal nicht so sein,
drück alle Augen zu.“

Ein Gewitter meines Lehrers
prallte zu mir zurück,
ich ließ es nur geschehen
und weinte still vor Glück.



© Michelle Klemm





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