Die Ungerechtigkeiten des Lebens

DIE UNGERECHTIGKEITEN DES LEBENS


Das Leben kann manchmal ziemlich hart und ungerecht sein. Manuela und ihren Mann traf es gleich doppelter Hinsicht. Das junge Ehepaar war auf Wohnungssuche. Inzwischen war Frühling geworden und immer noch hatten sie keine Wohnung gefunden; entweder war es nicht die Richtige oder andere waren schneller als sie. An einem Freitagnachmittag hatten sie wieder einmal einen Besichtigungstermin. Die Wohnung war perfekt: hell, groß, mit schöner Aussicht auf den Park, sie passte in ihren finanziellen Rahmen, die Vermieter waren freundlich und es schien ein kinderfreundliches Haus zu sein. Dies war ihnen wichtig, bastelten sie doch schon so lange an ihrem eigenen Nachwuchs, doch noch hatte sich ihr Kinderwunsch nicht erfüllt. Kurzum, sie waren begeistert und bekundetem den Vermietern ihr ernsthaftes Interesse. Da aber noch weitere Besichtigungstermine an diesem Tag stattfinden sollten, mussten sie warten.

Die Zeit an diesem Wochenende verging quälend langsam. Am Sonntag ging Manuela wie so oft spazieren. Sie konnte sich nicht zurückhalten; statt den Weg in Richtung Wald einzuschlagen, ging sie in den Park, an den ihre Traumwohnung angrenzte. Sie stellte sich vor, wie sie am Sonntagmorgen mit ihrem Mann am Frühstückstisch sitzen und genau hier herüber schauen würde, wo sie jetzt stand. Oder wie sie die Blumen in ihrem Wintergarten gießen und dabei die Kinder auf dem Spielplatz beobachten würde. Sie wollte diese Wohnung – unbedingt.

Am Abend klingelte endlich das Telefon, der Vermieter: „Ich muss ihnen leider eine schlechte Mitteilung machen. Eigentlich waren Sie unsere Favoriten, aber dann haben wir uns doch für das ältere Ehepaar entschieden, deren Kinder schon aus dem Haus sind. Wissen Sie, wir hatten so lange eine Familie mit Kindern unter direkt uns wohnen und wollen jetzt gern mal unsere Ruhe haben. Sie sind ja noch jung und fangen gerade erst an. Wenn in dem Haus noch eine andere Wohnung frei wird, können wir Ihnen gerne Bescheid geben, wenn Sie möchten.“

Nachdem Manuela aufgelegt hatte, brach sie in Tränen aus. In diesem Moment schwankten ihre Gefühle hin und her zwischen Traurigkeit, Wut, Enttäuschung, Frustration und sogar Verzweiflung. Ihr Traum war zerplatzt wie eine Seifenblase und zurück blieb plötzlich nur ein grauer Nebel und Nieselregen. Sie spürte förmlich, wie sich die Feuchtigkeit auf ihre Haut und ihr Haar und sogar auf ihre Kleidung legte. Die Kälte zog langsam von unten herauf bis sie am ganzen Körper fröstelte. Als irgendwann erschöpft ins Bett ging, glaubte sie noch, dass die Welt am nächsten Morgen schon wieder ganz anders aussehen würde.

Aber sie tat es nicht. Die quälende Fragen, wie das Leben so unfair sein konnte, ließ sie einfach nicht los. Immer wieder fragte sie sich, womit sie beide das verdient hatten? Als ob es nicht schlimm genug gewesen wäre, dass sich keine Schwangerschaft einstellen wollte, legte man ihnen nun zusätzlich, allein aufgrund des Wunsches nach einem Kind, Steine in den Weg. Nachdem der Wecker geklingelt hatte, quälte sie sich widerwillig aus dem Bett, denn sie musste ja zur Arbeit, sie war auf das Geld und damit auf den Job angewiesen. Ihr Magen knurrte, also zwängte sie sich etwas zu Essen rein; Appetit hatte sie keinen. Sie musste immer wieder weinen und wusste gar nicht, wie sie ihren Kollegen begegnen sollen. Mit Make-up und einem aufgesetztes Lächeln wollte sie sich irgendwie durch diesen Tag mogeln, denn sie hatte keine Lust, darüber zu reden. Auch die leuchtenden Sonnenstrahlen hatten sie getäuscht, denn draußen war es wieder kalt geworden. Freude konnte sie an diesem für sie grauen Tag, an dem sie die Scheinheiligkeit der Sonne durchschaut hatte, nicht empfinden. Die trüben Gedanken verharrten in ihrem Herzen und ihrer Seele und ließen sich nicht abschütteln. Immer wieder schweiften sie ab, hin zu ihrer herrlichen bunt schimmernden Seifenblase, nach der sie schon die Hand ausgestreckt hatte und die sich in jenem Moment, als sie nach ihr greifen wollte, in Luft aufgelöst hatte.

Irgendwann aber musste es doch raus und sie erzählte ihrer Kollegin, die natürlich gemerkt hatte, dass etwas nicht stimmte, alles. Danach fühlte sie sich endlich besser und war bereit, wieder nach Vorn zu schauen. Sie stand zwar am Ende, begriff nun aber, dass gleichzeitig ein neuer Anfang war, beinahe so als hätte jemand die „Repeat“-Taste gedrückt. Also begannen sie ihre Suche nach einer neuen Wohnung, einem besseren Leben von neuem. Sie brachen auf, neue Träume und Hoffnungen wurden in ihnen geweckt, und es ging immer so weiter, solange bis sie sich endlich erfüllten.





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